Kategorien
Blog Fotokurs Praxisbericht

Praxisbericht Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM

Für rund 200 Euro ist das Tele-Zoomobjektiv Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM zu haben. Auf dem Gebrauchtmarkt auch gerne unter 100 Euro. Natürlich kann dieses preiswerte Objektiv es nicht in allen Bereichen mit deutlich teureren und hochwertigeren Objektiven aufnehmen. Aus aktuellem Anlass schauen wir uns die Linse am Fallbeispiel der Mondfotografie mit der Crop-Kamera Canon EOS 80D an und werden erleben, dass die Einschränkungen im Vergleich zu einem Premium Tele-Zoomobjektiv Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM, welches bei einem Anschaffungspreis von etwa 2000 Euro liegt, gar nicht so groß sind.

Der Einsatzfall Mondfotografie erfordert die Ausnutzung der maximalen Brennweite von 250mm. Bei welcher Blende aber hat das EF-S Objektiv seinen Sweet-Spot, seinen Arbeitspunkt, mit der höchsten Abbildungsleistung? Im ersten Schritt liefern hier die folgenden Probeaufnahmen mit steigenden Blendenwerten und entsprechend kleiner werdender Blendenöffnung hilfreiche Erkenntnisse.

Die Fotos zeigen, dass bei Blendenwerten von F5.6 bis F8.0 sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Bei höheren Blendenwerten ergeben sich deutliche Abstriche in der Abbildungsqualität. Da im Falle der Mondfotografie das Thema Schärfentiefe eine klar untergeordnete Rolle spielt und eine Offenblende den schlechten Lichtverhältnissen zu Gute kommt, passen hier die Anforderungen bestens zu den physikalischen Gegebenheiten.

Wie groß ist nun aber der Leistungsunterschied des Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM gegenüber des Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM bei Blende F5.6? Auf dem Portal „The Digital Picture“ liefert das „Lens Comparison Tool“ aufschlussreiche Testaufnahmen.

An der Crop-Kamera Canon EOS 60D (die Canon EOS 80D steht in dem Tool nicht zur Auswahl) sind kaum wahrnehmbare Unterschiede zu verzeichnen. Spielen also, wie in diesem Anwendungsfall der Mondfotografie, Randverzeichnung und Vignettierung eine untergeordnete Rolle, schlägt sich die günstige Linse absolut passabel.

Bietet der erweiterte Blendenbereich bis Offenblende F2.8 beim Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM zusätzliches Potential? Zunächst erstmal nicht. Bei der Fotografie des Vollmondes kommt man bei ISO100 und einer Blende F5.6 auf eine Verschlusszeit von etwas 1/80 Sekunde. Kürze Verschlusszeiten durch Blende 2.8 spielen hier keine Rolle, da bei der Verschlusszeit von 1/80 Sekunde nicht mit Bewegungsunschärfe zu rechnen ist. Immer vorausgesetzt, dass Kamera und Objektiv auf einem stabilen Stativ montiert sind. Das Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM ist also uneingeschränkt einsetzbar, zumal die 50mm mehr an Brennweite in dem ohnehin schon grenzwertigen Brennweitenbereich von rund 200mm ein echtes Plus sind. Brennweiten von 300mm bis 400mm an der Crop-Kamera wären für die Mondfotografie optimal, stellen aber nochmal ganz andere Anforderungen an das Portemonnaie. Mit 250mm Brennweite wird die Aufnahme später auf Full-HD (1920×1280 Pixel) geschnitten und kann eine noch ausreichend große Darstellung des Erdtrabanten zeigen.

Zurück zur Blende F2.8 versus F5.6. Die Fotografie des „Blutmondes“ vom 21.01.2019 wirft hier ein neues Licht auf das günstige Canon Objektiv. Die schlechten Lichtverhältnisse in der Phase der Vollabdeckung des Mondes durch die Erde fordern in Zusammenhang mit dem EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM einen ISO-Wert von 800 bei 3 Sekunden Belichtungszeit und dem genannten minimalen Blendenwert von F5.6. Bei 3 Sekunden Belichtungszeit muss die Aufnahmesituation jetzt mit einer gewissen Bewegungsunschärfe leben. Abzuwägen bleibt hier der Schritt auf ISO1600 oder ISO3200, welchen die Canon EOS 80D aber mit entsprechend höherem Rauschanteil quittieren wird. Hier spielt das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM klar seine Stärken mit Offenblende F2.8 aus und beschenkt den Fotografen mit deutlich kürzeren Belichtungszeiten ohne den Einfluss von Bewegungsunschärfe auf das Ergebnis.

Fazit

Gute Wetterverhältnisse vorausgesetzt hat man mit dem günstigen EF-S Objektiv alle rund 29 Tage die Möglichkeit, hervorragende Bilder vom Vollmond anzufertigen, um die Wände auch von ambitionierten Hobbyfotografen zu schmücken. Die lichtarmen Verhältnisse einer Mondfinsternis oder auch des Blutmondes fordern klar leistungsfähigere und damit auch teurere Objektive. Die gute Nachricht: bis zur nächsten totalen Mondfinsternis im Jahr 2029 bleibt ausreichend Zeit zum Sparen.

Eintritt des Mondes in den Erdschatten. Aufnahme mit guter Qualität:

Eintritt des Mondes in den Erdschatten. Aufnahme mit deutlichen technischen Mängeln: