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Bewegt es sich?

Bei der Überlegung, mit welchen Einstellungen ein Foto gelingen wird, gibt es einige Fragestellungen, die man sich zu Hilfe nehmen sollte. „Bewegt es sich?“ ist eine davon, egal ob man nun in einer der Automatik-Einstellungen, im AV-/TV-Modus oder im manuellen Betrieb arbeitet.

In dem Beziehungsmodell von Belichtungszeit, Blendenwert und ISO-Empfindlichkeit erfodert eine Aufnahmesituation häufig, dass ein oder zwei dieser Parameter unumgänglich in einem bestimmten Korridor liegen müssen, da sonst das gewünschte Ergebnis nicht erzielt werden kann. Die jeweils verbleibenden Parameter sorgen dann für eine ausreichende Flexibilität, um das Foto wie gewünscht zu belichten.

Belichtungszeit

Muss die Frage „Bewegt es sich?“ mit „ja“ beantwortet werden, muss die Belichtungszeit so wählen werden, dass eine Bewegungsunschärfe ausgeschlossen ist (… es sei denn, ich möchte diese als gestalterisches Mittel einsetzen). Wie kurz diese sein muss, korreliert mit der verwendeten Brennweite des Objektives und der Bewegungsdynamik der Situation. Für sich bewegende Menschen, Tiere und Fahrzeuge liegt der Wert irgendwo zwischen 1/125 Sekunde und 1/1000 Sekunde. Die konkrete Einstellung braucht Erfahrung, die durch keinen Artikel der Welt ersetzt werden kann.

Blendenwert

Nach der Wahl der Belichtungszeit verbleiben zwei freie Parameter: die Blende und die ISO-Empfindlichkeit. Dabei ist die Blende gestalterisches Mittel der Aufnahme und die ISO-Empfindlichkeit ein technische Qualitätsmerkmal. In aller Regel steht die Bildgestaltung im Vordergrund, so dass die Auswahl der Blende und damit die Ausprägung der Schärfentiefe der nächste Schritt in der Abfolge der Überlegungen ist. Hierbei gilt: Für die Freistellung des Objektes und einen unscharfen Hintergund (Bokeh) mit dem Blendenwert runter (Blende weit geöffnet). Für durchgängige Schärfe vom Objekt bis zum Horizont mit dem Blendenwert hoch (Blende weiter geschlossen).

ISO-Empfindlichkeit

Der verbleibende Parameter ISO-Empfindlichkeit wird innerhalb sinnvoller Grenzen, je nach Rauschverhalten der Kamera, so gewählt, dass eine richtig belichtete Aufnahme entsteht. Damit sind wir letztlich im Modus „Auto-ISO“, den viele Kameras von Haus aus zur Verfügung stellen und auch häufig bei mir zum Einsatz kommt. Wer bei höheren ISO-Empfindlichkeiten besorgt um das Rauschverhalten seiner Aufnahme ist kann es vielleich wie David du Chemin halten, den ich in diesem Fall gerne zitiere: „If noise is what people notice, noise is not your biggest problem.“

Fazit

Egal welcher Überzeugung man bei der Wahl der Kameraeinstellung nachgeht, Automatik-, Programm-, AV-, TV-, AutoIso- oder manueller Modus, um die obigen Überlegungungen kommt man nicht umher, wenn man eine scharfe und wie gewünscht arrangiert Aufnahme erhalte möchte. Ich persönlich finde es unendlich anstrengend, welchen Automatik-Modus auch immer so zu trimmen, dass das gewünschte bzw. notwendige Ergebnis dabei erzielt wird. Die Poblematik von „Moving-Targets“ eingeschlossen. So bewundere ich die Geduld jedes Fotografie-Einsteigers bei der Nutzung der automatischen Kameraunterstützung für mittelmäßige Resultate aus großer Angst vor dem, augenschaunlich nur den Profis vorbehaltenem, manuellen Modus. So plädiere ich an jeden, der sich zu diesem Schritt noch nicht durchgerungen, hat, die Berechenbarkeit und klare Rückmeldung manueller Einstellungen für bessere fotografische Ergebnisse zu nutzen.

Beispiel Windkraftanlage

Windkraftanlage mit Wolken

Bei diesem Motiv konnte die Frage „Bewegt es sich?“ klar mit „ja“ beantwortet werden. Entsprechend der zu erwartenden hohen Geschwindigkeit der Rotorblattenden habe ich eine sehr kurze Belichtungszeit von 1/1000 Sekunde gewählt.

Ihren besonderen Ausdruck sollte die Aufnahme dadurch erhalten, dass eine möglichst durchgängig scharfe Abbildung vom Vordergrund bis zum Himmel gegeben ist. Mit einem Blendenwert von 8 wird bei einer Brennweite von 21mm auf der Crop-Kamera Canon 80D eine Schärfentiefe im Bereich von etwas 2m bis unendlich erreicht. Um das zu erreichen liegt der Fokuspunkt bei rund 6 Metern. Wie man zu diesen Werten und Einstellungen kommt, erläutere ich demnächst in einem weiteren Fotokurs-Beitrag.

Verbleibt die ISO-Empfindlichkeit, die bei einem Wert von 200 zu einer sauber belichteten Aufnahme führt. Ein hervorragender Wert in Bezug auf den Rauschanteil im Bild.