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Speed-Ramp-Effekt mit Hausmitteln

Viele meiner Blog-Beiträge beschäftigen sich mit der Idee, professionelle Ergebnisse in der Fotografie und Videografie mit kostenloser Open-Source Software zu erzielen. So bleiben Investitionen bis zum semi-professionellen Status auf einem erträglichen Niveau, wenn es um die Ausgestaltung der Rechnerhardware und und die der Softwareauswahl geht.

Für alle diejenigen, die ihre Videos nicht mit der Software der Platzhirsche wie Adobe mit Premiere Pro oder Apple mit Final Cut Pro schneiden, bleiben Speed-Ramp-Effekte ein kniffeliges Thema. Speed-Ramps werden gerne in dynamischen Videos oder auch in Szenen eingesetzt, in der eine hohe Fokussierung des Zuschauers auf ein Ereignis erreicht werden soll. Dabei verändert sich die Geschwindigkeit der Bildfolgen dynamisch von schnell nach langsam oder auch umgekehrt.

Lightworks, Shotcut, Kdenlive oder andere lassen diese Möglichkeit in ihrer Effekt-Palette allerdings vermissen. Das aber in wirklich jeder Videobearbeitungssoftware vorhandene Werkzeug bzw. Hausmittel ist das Schneidwerkzeug. Kombiniert man dieses Werkzeug mit der richtigen Mathematik zur Erstellung einer Speed-Ramp, kommt man auf erstaunlich gute Ergebnisse.

Voraussetzung sind viele, viele Bilder. Soll heißen: Videos, die mit mindestens 60fps (frames per seconds / Bilder pro Sekunde) aufgenommen sind, besser mit 120fps. Damit liegt zunächst ein mal eine Menge aufeinanderfolgender Bilder vor.

speed ramp serie von einzelbildern

Der Cursor ist nun auf die Stelle im Videomaterial zu setzen, an dem das Einsetzen des Effektes beginnen soll. In Lightworks beispielsweise lässt sich mit dem Shortcut „c“ ein Schnitt setzen. Je nach Video-Bearbeitungssoftware ist entsprechend hiervon abweichend vorzugehen. Bei der Absicht, die Speed-Ramp über eine Sekunde laufen zu lassen, muss bei einem geplanten Export des Videos mit 24fps nun mit dem Cursor 24 Einzelbilder weiter gesprungen werden. Hier setzen wir wieder einen Schnitt. Der nun zwischen den Schnittmarken liegende Abschnitt wird später entfernt. Nun springen wir ein weiteres Einzelbild weiter und setzen den nächsten Schnitt. Dieses einzelne Bild verbleibt später im Bilderstrom.

speed ramp serie von einzelbildern geschnitten

Jetzt alles von vorn, aber diesmal nur 23 Einzelbilder weiter springen. Die Anzahl der zu überspringenden Bilder wird sich nun immer um ein Bild reduzieren. Nach den 23 Einzelbilder einen Schnitt setzen, dann nochmal ein Einzelbild weiter springen und wieder einen Schnitt setzen.

Und nochmals: 22 Einzelbilder weiter springen, Schnitt setzen, ein weiteres Einzelbild nach vorn springen und wieder einen Schnitt setzen. Weiter geht es mit 21 Einzelbildern, 20, 19, 18, usw. bis keines mehr übrig bleibt. Zugegeben: eine etwas eintönige Konzentrationsaufgabe.

speed ramp serie von einzelbildern verbleibend

Sind alle Schnitte fertig gesetzt, werden die Abschnitte mit den 24 Einzelbilder, 23 Einzelbilder, 22, 21, 20, 19, usw. aus dem Bildmaterial entfernt. Es verbleibt eine mit linear kleiner werdenden Lücken versehene Video-Sequenz. Im nächsten Schritt lassen wir das Bestandsmaterial aneinander rutschen und erhalten fortlaufendes Video-Material. Die Speed-Ramp ist fertig!

speed ramp fertig

Hat man das Verfahren soweit verinnerlicht, kann diesen nach Belieben modifiziert oder auch beispielsweise umgedreht werden. Wie ist die Wirkung, wenn die Anzahl der entfernten Bilder nicht in einem linearen sondern in einem quadratischen Zusammenhang (32,16,8,4,2,1) stehen? Ausprobieren! Auch die Kalkulation der Einstieg- und Ausstiegspunkte bedarf etwas Übung und ist keinesfalls so komfortabel, wie in den genannten Video-Bearbeitungsprogrammen der ersten Liga.

Ich wünsche also viele Spaß beim Üben und Sparen sowie beim Genuss der Speed-Ramps in euren Eigenproduktionen.