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Speed-Ramp-Effekt mit Hausmitteln

Viele meiner Blog-Beiträge beschäftigen sich mit der Idee, professionelle Ergebnisse in der Fotografie und Videografie mit kostenloser Open-Source Software zu erzielen. So bleiben Investitionen bis zum semi-professionellen Status auf einem erträglichen Niveau, wenn es um die Ausgestaltung der Rechnerhardware und und die der Softwareauswahl geht.

Für alle diejenigen, die ihre Videos nicht mit der Software der Platzhirsche wie Adobe mit Premiere Pro oder Apple mit Final Cut Pro schneiden, bleiben Speed-Ramp-Effekte ein kniffeliges Thema. Speed-Ramps werden gerne in dynamischen Videos oder auch in Szenen eingesetzt, in der eine hohe Fokussierung des Zuschauers auf ein Ereignis erreicht werden soll. Dabei verändert sich die Geschwindigkeit der Bildfolgen dynamisch von schnell nach langsam oder auch umgekehrt.

Lightworks, Shotcut, Kdenlive oder andere lassen diese Möglichkeit in ihrer Effekt-Palette allerdings vermissen. Das aber in wirklich jeder Videobearbeitungssoftware vorhandene Werkzeug bzw. Hausmittel ist das Schneidwerkzeug. Kombiniert man dieses Werkzeug mit der richtigen Mathematik zur Erstellung einer Speed-Ramp, kommt man auf erstaunlich gute Ergebnisse.

Voraussetzung sind viele, viele Bilder. Soll heißen: Videos, die mit mindestens 60fps (frames per seconds / Bilder pro Sekunde) aufgenommen sind, besser mit 120fps. Damit liegt zunächst ein mal eine Menge aufeinanderfolgender Bilder vor.

speed ramp serie von einzelbildern

Der Cursor ist nun auf die Stelle im Videomaterial zu setzen, an dem das Einsetzen des Effektes beginnen soll. In Lightworks beispielsweise lässt sich mit dem Shortcut „c“ ein Schnitt setzen. Je nach Video-Bearbeitungssoftware ist entsprechend hiervon abweichend vorzugehen. Bei der Absicht, die Speed-Ramp über eine Sekunde laufen zu lassen, muss bei einem geplanten Export des Videos mit 24fps nun mit dem Cursor 24 Einzelbilder weiter gesprungen werden. Hier setzen wir wieder einen Schnitt. Der nun zwischen den Schnittmarken liegende Abschnitt wird später entfernt. Nun springen wir ein weiteres Einzelbild weiter und setzen den nächsten Schnitt. Dieses einzelne Bild verbleibt später im Bilderstrom.

speed ramp serie von einzelbildern geschnitten

Jetzt alles von vorn, aber diesmal nur 23 Einzelbilder weiter springen. Die Anzahl der zu überspringenden Bilder wird sich nun immer um ein Bild reduzieren. Nach den 23 Einzelbilder einen Schnitt setzen, dann nochmal ein Einzelbild weiter springen und wieder einen Schnitt setzen.

Und nochmals: 22 Einzelbilder weiter springen, Schnitt setzen, ein weiteres Einzelbild nach vorn springen und wieder einen Schnitt setzen. Weiter geht es mit 21 Einzelbildern, 20, 19, 18, usw. bis keines mehr übrig bleibt. Zugegeben: eine etwas eintönige Konzentrationsaufgabe.

speed ramp serie von einzelbildern verbleibend

Sind alle Schnitte fertig gesetzt, werden die Abschnitte mit den 24 Einzelbilder, 23 Einzelbilder, 22, 21, 20, 19, usw. aus dem Bildmaterial entfernt. Es verbleibt eine mit linear kleiner werdenden Lücken versehene Video-Sequenz. Im nächsten Schritt lassen wir das Bestandsmaterial aneinander rutschen und erhalten fortlaufendes Video-Material. Die Speed-Ramp ist fertig!

speed ramp fertig

Hat man das Verfahren soweit verinnerlicht, kann diesen nach Belieben modifiziert oder auch beispielsweise umgedreht werden. Wie ist die Wirkung, wenn die Anzahl der entfernten Bilder nicht in einem linearen sondern in einem quadratischen Zusammenhang (32,16,8,4,2,1) stehen? Ausprobieren! Auch die Kalkulation der Einstieg- und Ausstiegspunkte bedarf etwas Übung und ist keinesfalls so komfortabel, wie in den genannten Video-Bearbeitungsprogrammen der ersten Liga.

Ich wünsche also viele Spaß beim Üben und Sparen sowie beim Genuss der Speed-Ramps in euren Eigenproduktionen.

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Blog Portraitfotografie

Augen auf beim Foto-Shooting

Speicherkarten vergessen, Akkus leer, Bilder gelöscht? Jeder Fotograf kann eine oder mehrerer dieser oder anderer Geschichten erzählen. Trotz reichlich Routine und dem Wissen um so viele Dos und Don’ts passieren diese Missgeschicke. Gut, wenn es nicht beim Kunden ist.

Nun habe auch ich, ganz frisch eine dieser Geschichten zu erzählen. Eine nahegelegene Obstplantage sollte Background für ein Selbstportrait-Shooting in der Abendsonne sein. Mit aufgebautem Equipment entstanden verschiedene Arrangements: lachend, ernst, souverän mit und ohne Kamera in der Hand. Kurzer Check auf dem Display der Canon und ab nach Hause zur Ausarbeitung für eine Blog-Artikel, der eigentlich inhaltlich ganz anders ausgerichtet sein sollte. Bei der Bearbeitung des ersten Bildes dann die große Überraschung: das schwarze Fotografen-Shirt trägt heute seine Nähte aussen! Gut, wenn man Humor verträgt! Nachdem ich mir die Tränen des Lachens aus dem Gesicht gewischt hatte war klar, dass genau dieser Beitrag aus den Bildern entstehen wird. Wäre doch zu schade um die ansprechende Aufnahme. Augen auf beim Foto-Shooting 🙂

Rückschauzeit Portrait Karsten Leineke
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Bildbearbeitung Blog Praxisbericht

Professionelle Foto- und Videobearbeitung für gar kein Geld

Ganz werde ich das Versprechen meines Titels nicht einhalten können. Professionelle Fotobearbeitung für gar kein Geld exkludiert zunächst einmal die erforderliche Rechnerhardware. Die Leichtigkeit der darauf stattfindenden Arbeit profitiert auch bei dem nachfolgend vorgestellten Ansatz von guter bis hoher Leistungsfähigkeit. Grafikkarte, Prozessor und Speicher sollten mindestens im oberen Mittelsegement liegen. Das üblicherweise zur Rechnerhardware mitgelieferte Betriebssystem Windows kann jedoch schon entfallen und durch die Linux-Distribution Ubuntu ersetzt werden. Damit leistet der Rotstift hier erste gute Dienste.

Betriebssystem Ubuntu

Screenshot Ubuntu

„Ubuntu“ bedeutet auf Zulu „Menschlichkeit“ und bezeichnet eine alte afrikanische Philosophie. Mit dem Betriebssystem wird das Ziel verfolgt, ein einfach zu installierendes, leicht zu bedienendes und kostenloses Betriebssystem und darauf abgestimmte Anwendungsprogramme zur Verfügung zu stellen.
So können die ersten Euros eingespart werden, wenn der Rechner ohne Betriebssystem oder direkt mit dem Betriebssystem Ubuntu gekauft wird. Mittlerweile kann aus einem großen Angebot ausgewählt werden. Hersteller wie unter anderem Dell bieten einen Teil ihrer Hardware wahlweise mit Microsoft Windows oder Ubuntu an, so dass der Installationsvorgang auf der nackten Rechnerhardware entfällt.

Fotobearbeitung Darktable

Screenshot Darktable

Monatliche Abozahlungen oder Einmalzahlungen für die Bildbearbeitungssoftware wie Adobe Lightroom werden durch den Einsatz von Darktable vermieden.
Darktable ist eine freie Software zur Fotobeabeitung und Fotoverwaltung. Spezialisiert auf die Verarbeitung von RAW-Dateien erlaubt die Software in der sogenannten „Dunkelkammer“ die umfänglich und professionelle Fotobearbeitung. Dabei kommt Darktable etwas „technischer“ daher als beispielsweise ein Lightroom, nach einigen Stunden der Eingewöhnung entdeckt man darin aber eher Vorteile als Einschränkungen. Auf dem übersichtlichen „Leuchttisch“ erfolgt zuvor die Bildauswahl und das Tagging. Wer häufig stationär im Tethering Modus arbeitet, wird auch hier nicht von Darktable enttäuscht.

Bildbearbeitung Gimp

Screenshot Gimp

Das Pendant in Sachen Foto-Feinschliff zu Adobe Photoshop bildet Gimp. Ebenso frei verfügbar wie Darktable ist Gimp eine pixelbasierende Software zur Modifikation und Manipulation von Bildern. Für einen weiten Bereich der Bildmanipulation ist Gimp mit Photoshop auf Augenhöhe. Im Speziellen oder bei der Notwendigkeit, im beruflichen Umfeld viele Fotos in kurzer Zeit bearbeiten zu müssen, wird man um den Marktführer nicht umhin kommen. Bis dahin bleibt dem Einsteiger und dem Semi-Professionellen aber viel Zeit um Geld für Investionen in Software zu sparen und beeindruckende Ergebnisse zu erzielen.

Videoschnitt

Nun wird es defintiv schwierig, für die dominanten Marktbetreter wie Adobe Premiere Pro oder Final Cut Pro X einen auch nur ansatzweise ähnlich leistungsfähigen kostenlosen Ersatz zu finden. Was aber nicht heißt, dass man mit diesen kostenlosen Werkzeugen nicht doch einen beträchtlichen Level erreichen kann, der für die meisten Freiberufler, Fotografen, Youtuber, Instagrammer und andere eine potente Möglichkeit darstellt. Shotcut und Kdenlive führen hier sicher das Feld an. Der Import unterschiedlichster Formate, Schnitt, Übergänge, Filter und Color-Grading sind bei beiden Kandidaten umfänglich ausgebaut.

Screenshot Lightworks

Wer mit einer vertretbaren Einmalzahlung ins Profilager wechseln will, dem stehen DaVinci Resolove und Lightworks zur Verfügung. Beide Profi-Schnittwerkzeuge wissen auf die eine oder andere Kinoproduktion zu verweisen, liefern höchstwertiges Videomaterial ab und können mit leichten Funktioneinschränkungen auch kostenlos genutzt werden.

Fazit

Wer in das Thema Fotografie und Videoproduktion einsteigt, muss mit einigen Kostenpositionen in Bezug auf die unumgängliche Hardware wie Kamera, Objektive, Hilfsmittel und Computer umgehen. In Sachen Software stehen aber definitiv interessante Alternativen bis in einen hohen Level zur Verfügung, die von der Open-Source-Community kostenlos zur Verfügung gestellt und umfänglich mit Anleitungen, Foren und anderen Informationsquellen ausgestattet sind. Ich wünsche viel Spaß bei der Auswahl!

Hinweis: Das ist keine Werbung. Ich stehe in keinerlei Verbindung zu den genannten Firmen.

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Bildbearbeitung Blog Fotokurs Praxisbericht

darktable mit OpenCL Unterstützung unter Ubuntu

Schon immer stellt die Bild- und Videobearbeitung neben dem Thema Gaming höchste Ansprüche an die Performance der Computer Infrastruktur. Viele Verarbeitungsaufgaben lasten die Haupt-CPU zu 100% aus während die hochperformante Grafikkarte Däumchen dreht. Apple hat das Problem vor rund zehn Jahren erkannt und ein Framework mit dem Namen „OpenCL“ entwickelt. Damit war die Möglichkeit geschaffen, alle Prozessoren einen Systems als uneinheitlichen Parallelrechner nutzbar zu machen. Entscheident ist nun noch, dass die eingesetzte Software auf dieses Framework zugreift und das Beschleunigungpotential ausnutzt. Adobe Photoshop, Gimp, darktable, Blender, FFmpeg, Final Cut Pro, Google Chrome und Mozilla Firefox sind nur einige, die hier genannt werden sollen, die entsprechend auf die Nutzung von OpenCL vorbereitet sind.

Die Installation und Einrichtung von OpenCL unterscheidet sich abhängig vom Betriebssystem (Linux, Mac OS, Windows) und der verwendeten Rechnerhardware. Dieser Bericht richtet sich an Nutzer der Linux Distriburtion Ubuntu auf einem Dell XPS 13 (9370) mit dem Ziel, die Bildbearbeitungssoftware darktable zu beschleunigen.

Mit dem schon länger verfügbaren Open-Source Framework „Beignet“ lässt sich leider keine Kompatibilität zu darktable erreichen. Erst mit dem ebenfalls open-source OpenCL Ansatz von Intel mit dem Namen „NEO“ gelingt die Nutzung der Parallelrechnerarchitektur zur performanten Nutzung der Bildbearbeitungssoftware.

OpenCL Installation

Die Einrichtung gelingt über die Installation des entsprechenden Paketes mit folgendem Terminalkommando:

sudo apt-get install intel-opencl-icd

Möglicherweise macht es Sinn, zuvor Beignet sauber zu entfernen, um konkurrierende OpenCL Installationen zu vermeiden:

beignet uninstall

Die Überprüfung der OpenCL Unterstützung kann mit „clinfo“ überprüft werden:

sudo apt-get install clinfo

clinfo

Die nun folgende Terminalausgabe gibt Auskunft über den Status der OpenCL Konfiguration.

OpenCL Aktivierung in darktable

Nach dem Start von darktable sollte überprüft werden, ob die OpenCL Unterstützung aktiviert ist.

darktable settings

Überprüfung der Leistung

Die Überprüfung des Geschwindigkeitgewinns lässt sich durch den Start von daktable mit den Befehlszeilenparametern „-d opencl -d perf“ erreichen. Nach jeder Ausführung der Pixelpipe erhalten Sie eine detaillierte Zuordnung der Verarbeitungszeit zu jedem Modul sowie ein noch detaillierteres Profil für alle verwendeten OpenCL-Kernel.

darktable screenshot terminal Ausgabe

Weiterführende Artikel

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Seitenwechsel

Wieder einmal war es ein beeindruckendes Erlebnis den Seitenwechsel von „hinter der Kamera“ nach „vor der Kamera“ vollziehen zu dürfen. Als Darsteller in einer kommerziellen Videoproduktion für die Firma SMA Solar Technology AG war besonders beeindruckend, mit welchem geringen technischen Aufwand solche Produktion möglich sind.

Eine Sony Alpha 7R, zwei/drei Objektive, eine Video-LED-Leuchte auf einem Stativ und ein Slider … fertig!

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Analogfotografie Blog

Wenn man nichts mehr weglassen kann

Da ist sie wieder, meine Spiegelreflexkamera „KR-10 Super“ von der Firma Ricoh. Wir hatten uns eine Zeit lang vergessen, uns nicht beachtet und waren ungewollt ein paar Jahre voneinander getrennt. Vorgestellt wurde sie im Jahre 1982. Von mir erworben, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahre 1984. Ein guter Grund, um zu unserem 35-jährigen Jubiläum so richtig die Korken knallen zu lassen! Damals fuhr man Herkules Mofas, hörte 99-Luftballons von Nena und ging täglich ins Freibad.

Wie groß und mächtig mir diese Kamera damals vorkam. Heute liegt das historische Stück Technik ganz leicht in meinen Händen. Nach dem Öffnen der Rückwand schaut man durch das Objektiv sofort ins Freie. Ein bisschen Glas, eine Blende und ein Verschlussvorhang und schon trifft das Licht auf das sensible Filmmaterial. Analogfotografie ist, wenn man nichts mehr weglassen kann.

Im Zeitalter digitaler Spiegelreflexkameras (DSLR) spielt man ganz selbstverständlich mit Ungetümen technischer Parameter wie Pixelmengen, Pixeldichten, Optimierungsalgorythmen, Effekten der digitalen Begrenzungen, Datentransfermengen und vielem mehr.

Kleinbildfilm

Da kommt es einem fast vor wie ein genüsslicher Waldspaziergang, wenn man die Klappe hinter der zuvor eingelegten Filmrolle schließt und sich auf die Begegnung mit 24 Aufnahmen freut. Jede einzelne ganz bewusst erlebbar.

Aber soweit bin ich noch gar nicht. Die KR-10 Super ist entstaubt und gereinigt, der Kodak Gold ISO 200 Kleinbildfilm liegt bereit. Das Universal-Zoom Danubigon 28-70mm 1:3-4.5 und das Zoom Soligor 70-200mm 1:4.5-5.6 werde ich wohl dekorativ in meinem Fotoschrank drapieren und die Kamera mit dem Original Ricoh 50mm 1:1.7 bestücken.

So werde ich nun in eine Phase eintauchen, in der ich ein Thema für diese ersten 24 Aufnahmen isoliere. Ich verbleibe also vorerst mit dem Versprechen, über das Erlebnis der Analogfotografie weiter zu berichten.

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Bildbearbeitung Blog Fotokurs Praxisbericht

Bildbearbeitung mit darktable als Alternative zu Lightroom

Eine kostenlose Bildbearbeitungssoftware meldet sich als Alternative zum quasi Standard Adobe Lightroom mit neuen Funktionen in der Version 2.6. Bis vor einigen Monaten war darktable noch Betriebssystemanwendern von macOS und den bekannten Linux-Distributionen (Ubuntu, Debian, Fedora, openSUSE und anderen) vorbehalten. Doch seit der Version 2.4.0 erreicht die Software ebenso alle Microsoft Windows Freunde. Ein Grund mehr, allen Interessierten, Verunsicherten und Zweiflern das leistungsfähige Werkzeug ein Stück näher zu bringen.

Fixkosten vermeiden

Seit Ende 2017 ist Lightroom an unterschiedliche Abo-Modelle gekoppelt, die dauerhaft zu monatlichen Kosten führen. Für professionelle und berufliche Fotografen lässt sich das sicher abbilden, der Hobbyfotograf oder ambitionierte/semiprofessionelle Fotograf kommt aber diesbezüglich zu einer anderen Bewertung.

In diesem Fall bieten sich Kandidaten an, die gegen einen unterschiedlich hohen einmaligen Kaufpreis zu haben sind: Luminar, Affinity Photo, Photoshop Elements, Capture One oder weitere. Um unerfreuliche Überraschungen zu vermeiden sollte man aber prüfen, wie die Preise für Sicherheitsupdates und neue Softwareversionen gestaltet sind.

Warum aber nicht ganz auf Ausgaben verzichten? Mit darktable, LightZone, RawTherapee und weiteren bieten sich interessante Softwarelösungen an, wobei darktable wohl als das prominenteste und potenteste Werkzeug gelten dürfte. Aber ist man damit wirklich zumindest mal „semi-professionell“ aufgestellt?

Funktionsvielfalt genießen

Die Arbeitsumgebung von darktable unterteilt sich in die zwei Hauptansichten „Leuchttisch“ und „Dunkelkammer“. Desweiteren steht je eine Ansicht für „Thethering“ zur Anbindung von Kameras, „Karte“ zur Georeferenzierung , „Diaschau“ und „Drucken“ zur Verfügung.

Auf dem Leuchttisch werden die Fotos importiert, gesichtet und organisiert und können bei Bedarf schon mit Filtern versehen werden. darktable arbeitet nicht destruktiv, nimmt also keine Veränderung an dem Rohmaterial vor.

In der Dunkelkammer können die Fotos dann mit über 50 Bildbearbeitungsmodulen modifiziert werden. Die Module sind in die Gruppen Farben, Tonwerte, Bildrauschen, Schärfe und anderes gegliedert. So werden die einzelnen Bearbeitungsschritte in einem Stapel organisiert, wobei jeder einzelne Bearbeitungsschritt in diesem Stapel jederzeit geändert, aktiviert oder deaktiviert werden kann. Überblendmodi und Masken samt Maskenverwaltung liefern eine leistungsfähig Grundlage für bemerkenswerte Ergebnisse. Die Bearbeitungen werden in XMP-Filialdateien festgehalten und sind auf weitere Bilder übertragbar.

Darktable Screenshot
Screenshot der sogenannten „Dunkelkammer“ von Darktable

Community nutzen

Die darktable Community ist ausreichend groß, um an fundierte und gut aufbereitet Informationen zu gelangen. In Anbetracht der Situation, dass in der OpenSource-Scene sehr viele Überzeugungstäter unterwegs sind, ist es darüber hinaus leicht in den direkten und persönlichen Kontakt mit darktable Anwendern zu treten, um Funktionen und Arbeitsweisen zu lernen und von erfahrenen Nutzern zu profitieren. Ich selbst greife gerne zurück auf den Youtube-Kanal von Bruce Williams, der kompetent, freundlich und kurzweilig das Spektrum von Beginner bis zum semi-professionellen Fotografen bedient.

Computer mit Händen

Einfach mal ausprobieren

… könnte hier wohl ein guter Tipp sein, zumal insbesondere das Retusche-Modul, wie auch die Webseite photoscala schreibt, auf dem Markt als „einzigartig“ anzusehen ist. Wichtig ist, sich beim Ausprobieren etwas Zeit zu lassen, um den bislang gewohnten Workflows Zeit für die Adaptierung auf darktable zu geben.

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Praxisbericht Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM

Für rund 200 Euro ist das Tele-Zoomobjektiv Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM zu haben. Auf dem Gebrauchtmarkt auch gerne unter 100 Euro. Natürlich kann dieses preiswerte Objektiv es nicht in allen Bereichen mit deutlich teureren und hochwertigeren Objektiven aufnehmen. Aus aktuellem Anlass schauen wir uns die Linse am Fallbeispiel der Mondfotografie mit der Crop-Kamera Canon EOS 80D an und werden erleben, dass die Einschränkungen im Vergleich zu einem Premium Tele-Zoomobjektiv Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM, welches bei einem Anschaffungspreis von etwa 2000 Euro liegt, gar nicht so groß sind.

Der Einsatzfall Mondfotografie erfordert die Ausnutzung der maximalen Brennweite von 250mm. Bei welcher Blende aber hat das EF-S Objektiv seinen Sweet-Spot, seinen Arbeitspunkt, mit der höchsten Abbildungsleistung? Im ersten Schritt liefern hier die folgenden Probeaufnahmen mit steigenden Blendenwerten und entsprechend kleiner werdender Blendenöffnung hilfreiche Erkenntnisse.

Die Fotos zeigen, dass bei Blendenwerten von F5.6 bis F8.0 sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Bei höheren Blendenwerten ergeben sich deutliche Abstriche in der Abbildungsqualität. Da im Falle der Mondfotografie das Thema Schärfentiefe eine klar untergeordnete Rolle spielt und eine Offenblende den schlechten Lichtverhältnissen zu Gute kommt, passen hier die Anforderungen bestens zu den physikalischen Gegebenheiten.

Wie groß ist nun aber der Leistungsunterschied des Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM gegenüber des Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM bei Blende F5.6? Auf dem Portal „The Digital Picture“ liefert das „Lens Comparison Tool“ aufschlussreiche Testaufnahmen.

An der Crop-Kamera Canon EOS 60D (die Canon EOS 80D steht in dem Tool nicht zur Auswahl) sind kaum wahrnehmbare Unterschiede zu verzeichnen. Spielen also, wie in diesem Anwendungsfall der Mondfotografie, Randverzeichnung und Vignettierung eine untergeordnete Rolle, schlägt sich die günstige Linse absolut passabel.

Bietet der erweiterte Blendenbereich bis Offenblende F2.8 beim Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM zusätzliches Potential? Zunächst erstmal nicht. Bei der Fotografie des Vollmondes kommt man bei ISO100 und einer Blende F5.6 auf eine Verschlusszeit von etwas 1/80 Sekunde. Kürze Verschlusszeiten durch Blende 2.8 spielen hier keine Rolle, da bei der Verschlusszeit von 1/80 Sekunde nicht mit Bewegungsunschärfe zu rechnen ist. Immer vorausgesetzt, dass Kamera und Objektiv auf einem stabilen Stativ montiert sind. Das Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM ist also uneingeschränkt einsetzbar, zumal die 50mm mehr an Brennweite in dem ohnehin schon grenzwertigen Brennweitenbereich von rund 200mm ein echtes Plus sind. Brennweiten von 300mm bis 400mm an der Crop-Kamera wären für die Mondfotografie optimal, stellen aber nochmal ganz andere Anforderungen an das Portemonnaie. Mit 250mm Brennweite wird die Aufnahme später auf Full-HD (1920×1280 Pixel) geschnitten und kann eine noch ausreichend große Darstellung des Erdtrabanten zeigen.

Zurück zur Blende F2.8 versus F5.6. Die Fotografie des „Blutmondes“ vom 21.01.2019 wirft hier ein neues Licht auf das günstige Canon Objektiv. Die schlechten Lichtverhältnisse in der Phase der Vollabdeckung des Mondes durch die Erde fordern in Zusammenhang mit dem EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS STM einen ISO-Wert von 800 bei 3 Sekunden Belichtungszeit und dem genannten minimalen Blendenwert von F5.6. Bei 3 Sekunden Belichtungszeit muss die Aufnahmesituation jetzt mit einer gewissen Bewegungsunschärfe leben. Abzuwägen bleibt hier der Schritt auf ISO1600 oder ISO3200, welchen die Canon EOS 80D aber mit entsprechend höherem Rauschanteil quittieren wird. Hier spielt das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM klar seine Stärken mit Offenblende F2.8 aus und beschenkt den Fotografen mit deutlich kürzeren Belichtungszeiten ohne den Einfluss von Bewegungsunschärfe auf das Ergebnis.

Fazit

Gute Wetterverhältnisse vorausgesetzt hat man mit dem günstigen EF-S Objektiv alle rund 29 Tage die Möglichkeit, hervorragende Bilder vom Vollmond anzufertigen, um die Wände auch von ambitionierten Hobbyfotografen zu schmücken. Die lichtarmen Verhältnisse einer Mondfinsternis oder auch des Blutmondes fordern klar leistungsfähigere und damit auch teurere Objektive. Die gute Nachricht: bis zur nächsten totalen Mondfinsternis im Jahr 2029 bleibt ausreichend Zeit zum Sparen.

Eintritt des Mondes in den Erdschatten. Aufnahme mit guter Qualität:

Eintritt des Mondes in den Erdschatten. Aufnahme mit deutlichen technischen Mängeln: